Lexikon






Vollbäder

Das Vollbad stellt einen starken Reiz dar. Dabei ist der Patient bis zur Brust oder bis zum Hals mit Wasser bedeckt. Völlbäder können chemische, mineralische oder pflanzliche Zusätze enthalten.

Man rechnet pro Bad ca. 100 Gramm Heilkräuter für ein Vollbad. Mit einem Liter Wasser wird die Menge aufgekocht, 10 Minuten bedeckt ziehen lassen, filtern und diesen Absud dem Bad zusetzen.

Allgemein mache man zur Grundregel: Wasser eine Handspanne über dem Körper stehend. Dann kann das Bad auch von Herz-Kreislauf-Patienten ohne Beschwerden genommen werden.

Man unterscheidet:

  1. Kalte Völlbäder. Sie kommen nur als kurze Tauchbäder zur Anwendung, z. B. nach der Sauna. Sie zielen auf einen plötzlichen Wärmeentzug mit kräftigem Anreiz zur reaktiven Wärmeproduktion.

    Kontraindikationen: Herz-Kreislaufleiden, Blasenleiden und rheumatische Erkrankungen.

    Die Anwendung soll nicht nach den Mahlzeiten gemacht werden. Wassertemperatur: 15-20° C; Dauer: 5-20 Sekunden.

  2. Absteigende Vollbäder. Ziel ist die Herabsetzung der Kerntemperatur Fiebernder. Die Anwendung beginnt bei ca. 1-2° C unter der Körpertemperatur. Innnerhalb von 15 Minuten wird die Wassertemperatur auf 25-28° C gesenkt. Dabei soll die Haut gebürstet werden, um die Hautgefäße zu erweitern und das Kältegefühl des Patienten zu mildern. Anschließend kommt er in ein vorgewärmtes Bett.

  3. Indifferente Bäder dienen zur Beruhigung nervöser Erregungen oder zur Behandlung von Patienten, für die ein kaltes Bad zu anstrengend ist. Die Temperatur liegt in der Indifferenzzone. Im indifferenten Bad werden auch Unterwassergymnastik und Unterwassermassage durchgeführt. Dauer: 15 Minuten. Danach 1 Stunde Bettruhe.

  4. Warme Bäder dauern 15 Minuten bei 36-37° C. Sie dienen der Entspannung der Skelettmuskulatur und der Herabsetzung des Muskeltonus.

  5. Heiße Bäder dauern 1-4 Minuten bei 40-43° C. Sie dienen der Leistungssteigerung und der Erfrischung bei Gesunden. Es treten dabei Frösteln und Kälteschauer mit Gänsehautbildung auf mit anschließendem Hitzegefühl. Das Bad soll vor dem Schweißausbruch beendet werden, da es sonst nicht erfrischend wirkt.

    In Japan gehört das heiße Bad zur täglichen (abendlichen oder nächtlichen) Hygiene, Geselligkeit und Prophylaxe. Dieses Bad wird in Ermangelung eines eigenen Bades meistens in einer öffentlichen Badeanstalt durchgeführt. Vorher findet eine gründliche Säuberung, Rasur etc. statt, während des Bades Geselligkeit. Die Temperatur beträgt 45° C, die Dauer bis 15 Minuten oder länger, je nach Kondition. Da bis Mitternacht die Geschäfte geöffnet sind, wird der Besuch der Badeanstalt oft mit einem Einkaufsbummel verbunden. Nach Eingewöhnung ist das heiße japanische Bad sehr angenehm. Kalte Anwendungen (kalte Dusche) gelten dagegen als ungesund.

  6. Überwärmungsbäder sollen im Körper fieberähnliche Temperaturen hervorrufen. Indikationen: Umstimmung, Steigerung der Abwehrkräfte, rheumatischer Formenkreis und degenerative Erkrankungen der Gelenke. Die anfängliche Temperatur von 35° C wird alle 5 Minuten um 1° C bis auf 42° C gesteigert. Dabei wird der Puls häufig kontrolliert. Eine Frequenz von 140/Min bei 40° C soll nicht überschritten werden. Geschieht das vor Erreichen der Endtemperatur, muß auf die darunterliegende Temperatur zurückgegangen werden. Zum Abschluß wird die Temperatur kurz auf 37° C abgesenkt. Dauer 20-60 Minuten. Danach Trockenpackung zum Nachschwitzen und indifferente Waschung.

    Sehr anstrengende Anwendung. Nur für kräftige Patienten mit gutem Herz-Kreislaufsystem.
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