Lexikon






Rhabarber

Rheum palmatum LINNÉ. Sonstige, umgangssprachliche Namen:
Rheum officinale Baillon

Der zur Familie der Knöterichgewächse zählende, bis zu 1,5 m hohe Rhabarber besitzt einen kräftigen, im Blütenbereich verzweigten Stengel und einen dicken, holzigen, rotgefärbten Wurzelstock. An den fleischigen, dicken, sehr langen, runden Stielen sitzen sehr große Blätter. Die rundlichherzförmige, handförmiggelappte, oberseits etwas rauhe, manchmal glatte Spreite besitzt drei bis fünf handförmig angeordnete Hauptnerven und länglich-eiförmige bis lanzettliche, spitze,ungeteilte bis eingeschnittengezähnte oder fiederspaltige Lappen. Die kleinen Blüten stehen in rispenartigen Blütenständen, die in den Achseln der oberen Blätter stehen. Die weißliche bis schwachrote Blütenhülle besteht aus 6 Teilen. Die Blüte besitzt 9 Staubblätter und bildet eine dreiflügelige Nuß aus.

Blütezeit: Mai, Juni

Herkunft: China
Standort: in Europa kultiviert

Wirkung:
Rhabarber ist ein dickdarmwirksames Laxans (Stuhlgang anregend). Die Droge ist ein zuverlässig wirkendes Abführmittel; der Stuhlgang tritt nach ungefähr 6-10 Stunden ein. Gerbstoffreiche Rheumzubereitungen mit geringem Anthranoidgehalt können stopfend wirken.

Nebenwirkung:
In Einzelfällen krampfartige Magen-Darm-Beschwerden. In diesen Fällen ist eine Dosisreduktion erforderlich. Bei chronischem Gebrauch (= Mißbrauch)): Elektrolytverluste, insbesondere Kaliumverluste, Albuminurie (Ausscheidung von Eiweiß im Harn) und Hämaturie (Ausscheidung von nicht zerfallenen roten Blutkörperchen mit dem Urin); Pigmenteinlagerung in die Darmschleimhaut (Pseudomelanosis coli), die jedoch harmlos ist und sich nach Absetzen der Droge in der Regel zurückbildet.

Der Kaliumverlust kann zu Störungen der Herzfunktion und zu Muskelschwäche führen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Herzglykosiden, Diuretika (harntreibenden Mitteln) und Nebennierenrindensteroiden.

Anwendungsgebiete: Obstipation Dosierung und Art der Anwendung: Geschnittene Droge, Drogenpulver oder Trockenextrakte für Aufgüsse, Abkochungen, Kaltmazerate oder Elixiere. Flüssige oder feste Darreichungsformen zur Einnahme.
Soweit nicht anders verordnet: 20 bis 30 mg Hydroxyanthracenderivate/Tag, berechnet als Rhein. Die individuell richtige Dosierung ist die geringste, die erforderlich ist, um einen weichgeformten Stuhl zu erhalten.

Hinweis: Die Darreichungsform sollte auch eine geringere als die üblicheTagesdosis erlauben.

Besondere Hinweise:
Besondere Vorsichtshinweise für den Gebrauch: Stimulierende Abführmittel dürfen ohne ärztlichen Rat nicht über längere Zeiträume (mehr als 1 bis 2 Wochen) eingenommen werden.

Überdosierung: Elektrolyt- und flüssigkeitsbilanzierende Maßnahmen.

Besondere Warnungen:
Eine über die kurzdauernde Anwendung hinausgehende Einnahnme stimulierender Abführmittel kann zu einer Verstärkung der Darmträgheit führen. Das Präparat sollte nur dann eingesetzt werden, wenn durch eine Ernährungsumstellung oder Quellstoffpräparate kein therapeutischer Effekt zu erzielen ist.
Wechselwirkungen: Bei chronischem Gebrauch (= Mißbrauch) ist durch Kaliummangel eine Verstärkung der Herzglykosidwirkung sowie eine Beeinflussung der Wirkung von Antiarrhythmika (Arzneimitteln die den Herzrhythmus beeinflussen) möglich. Kaliumverluste können durch Kombinatin mit Thiaziddiuretika, Nebennierenrindensteroiden und Süßholzwurzel verstärkt werden.

Gegenanzeigen: Darmverschluß, akut-entzündliche Erkrankungen des Darmes, z.B. Morbus Chrohn, Colitis ulcerosa (schwerwiegende Entzündung des Dickdarms mit Eiterung und Geschwürbildung), Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms), abdominale (im Unterleib gelegene) Schmerzen unbekannter Ursache.Kinder unter 12 Jahren. Aufgrund unzureichender toxikologischer Untersuchungen nicht anzuwenden in Schwangerschaft und Stillzeit.

Wirkstoff/Droge:
Rhabarber, bestehend aus den getrockneten, unterirdischen Teilen von Rheum palmatum LINNÉ, Rheum officinale BAILLON oder von Hybriden der beiden Arten, die von Stengelanteilen kleinen Wurzeln und vom größtenTeil der Rinde befreit sind, sowie dessen Zubereitungen in wirksamer Dosierung. Die Droge enthält Anthranoide, hauptsächlich vom Rhein- und Phycion-Typ. Die Droge muß dem gültigen Arzneibuch entsprechen.

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